Diegese

James-Bond-Lexikon / Film-Wissen / Diegese

© 2015 London Operations, LLC und Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc.

Die Diegese ist die Filmwirklichkeit, also die im Film dargestellte Welt.

Das Wort Diegese leitet sich ab vom altgriechischen διήγησις und ist über das fransösische diégèse in die deutsche Fachsprache des Films gelangt. Alle Wörter haben insbesondere die Bedeutung „Erzählung“.

Diegese und vierte Wand

Die Diegese, also die erzählte Welt des Films, steht im Gegensatz zur Wirklichkeit des Publikums, also zu „unserer“ Realität oder zur „wirklichen“ Welt.

Die beiden Welten – die Filmwelt einerseits und die wirkliche Welt andererseits – werden von der häufig so genannten „vierten Wand“ getrennt. Diese Wand, die es natürlich nicht wirklich gibt, kann man sich im Fall des Kinos dort denken, wo sich die Leinwand befindet. Die vierte Wand bildet eine Barriere, die weder das Publikum noch die Filmfiguren durchdringen können. Die Regeln des Films gebieten es klassischerweise, dass der Film diese Barriere durch seine Erzählweise respektiert. Wird diese Regel ausnahmsweise gebrochen, so spricht man davon, dass die „vierte Wand durchbrochen“ wird.

In den Bond-Filmen wurde die vierte Wand bisher lediglich zweimal durchbrochen. Zum ersten Mal geschah dies als Teil der Einführung des Bond-Darstellers George Lazenby am Ende der Pre-Title-Sequenz von Im Geheimdienst Ihrer Majestät aus dem Jahr 1969. James Bond wendet sich hier an das Publikum, indem Lazenby direkt in die Kamera schaut, und sagt:

This never happened to the other fellow.

(„Das wär’ dem anderen nie passiert.“) Gemeint ist „der andere“ Bond-Darsteller, nämlich Sean Connery:

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Zum zweiten Mal wurde die vierte Wand im Bond-Film Octopussy aus dem Jahr 1983 durchbrochen, als James Bond (Roger Moore) in Indien ankommt und sich sein Kontakt Vijay (Vijay Amritraj) zu erkennen gibt, indem er auf einer Flöte das James-Bond-Thema spielt, das Bond sofort erkennt, obwohl es in der Diegese der Bond-Filme eigentlich nicht existiert.

Diegetische Musik

Die Unterscheidung zwischen Diegese einerseits und extradiegetischen Elemten andererseits kann insbesondere auf den Ton und die Musik angewandt werden. Diegetische Musik ist danach Musik, die in der dargestellten Filmwirklichkeit erklingt und die zum Beispiel von den Figuren im Film gehört werden kann. Extradiegetische Musik ist dagegen Musik, die zwar für das Publikum zu hören ist, nicht aber für die Figuren im Film.

Ein großer Teil der Filmmusik ist extradiegetische Musik und nicht Teil der Filmwirklichkeit. Es finden sich aber immer wieder Ausnahmen. Ein Beispiel für eine solche Ausnahme, also für diegetische Musik, ist Vivaldis Stück Nisi Dominus, das in einer Szene des Bond-Films Spectre aus dem Jahr 2015 zu hören ist, als Lucia Sciarra (Monica Bellucci) nach der Beisetzung ihres Gatten Marco Sciarra (Alessandro Cremona) zurück in ihre Villa in Rom kommt. Als sie die schwach beleuchteten Räume im Erdgeschoss der Villa betritt, drückt sie einen Schalter und schenkt sich ein Glas Cognac Courvoisier VSOP ein. Durch das Drücken des Schalters wird klar, dass Vivaldis Musik nicht lediglich als Filmmusik unter der Szene liegt, sondern in der Filmwirklichkeit tatsächlich von Lucia Sciarra eingeschaltet und gehört wird. Es handelt sich also um diegetische Musik:

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Mai 2026